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Sonntag, 15. Januar 2006
Wir haben Monika Peichls wichtige "Petition zur Tollwutimpfung: alle 3 Jahre ist genug!" von Anfang an unterstützt. Mit einem dicken Button baten wir alle Besucher von cuxkatzen.de diese Petition ebenfalls zu unterzeichnen. Und sie hatte Erfolg!
Am 15. Januar 2006 erreichte uns folgende Email von Monika Peichl:
Deutsche Tollwutverordnung geändert! Jährliche Tollwutimpfung wird nicht mehr verlangt!
Mit Datum 20. Dezember 2005 hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) endlich die deutsche Tollwutverordnung geändert.
Dies ist der entscheidende neue Passus:
"Begriffsbestimmungen", Paragraph 1:
Im Sinne dieser Verordnung liegen vor: (....)
3. wirksamer Impfschutz bei Hunden und Katzen, wenn eine Impfung gegen Tollwut
a) im Falle einer Erstimpfung bei Welpen im Alter von mindestens drei Monaten mindestens 21 Tage nach Abschluss der Grundimmunisierung und längstens um den Zeitraum zurückliegt, den der Impfstoffhersteller für eine Wiederholungsimpfung angibt, oder b)im Falle von Wiederholungsimpfungen die Impfungen jeweils innerhalb des Zeitraumes durchgeführt worden sind, den der Impfstoffhersteller für die jeweilige Wiederholungsimpfung angibt.
Das bedeutet: Es wird nicht mehr nur die jährliche Tollwutimpfung als "wirksamer Impfschutz" anerkannt, sondern als "wirksamer Impfschutz" gelten nun Wiederholungsimpfungen, die innerhalb der vom Hersteller angegebenen Zeitabstände verabreicht worden sind.
Beispiel: Ein Hund wurde im Jahr 2004 in der Schweiz mit dem Impfstoff Rabdomun geimpft und wurde dann nach Deutschland gebracht. Der Schweizer Beipackzettel von Rabdomun besagt, dass der Impfstoff mindestens drei Jahre lang Schutz vor einer Tollwutinfektion verleiht.
Diese Impfung muss nunmehr auch in Deutschland anerkannt werden. Das heisst: Auch in Deutschland muss dieser Hund erst im Jahr 2007 wieder gegen Tollwut geimpft werden!
Denn: Die jährliche Tollwutimpfung wird nun auch in Deutschland nicht mehr verlangt!
Es bleibt aber ein Problem, und zwar die im neuen Verordnungstext angesprochenen Angaben des Herstellers zum Zeitraum, innerhalb dessen die Wiederholungsimpfung fällig wird.
In den Beipackzetteln der in Deutschland verkauften Tollwutimpfstoffe steht nichts über die (Mindest-) Dauer des Impfschutzes - es wird immer nur verwiesen auf die (bis Ende 2005 verlangte) jährliche Wiederholungsimpfung entsprechend den Vorschriften der Tollwutverordnung.
Wir haben also bisher in Deutschland keine Tollwutimpfstoffe für Katzen und Hunde, deren Beipackzettel etwas aussagt über die (Mindest-) Dauer des Impfschutzes.
Solange wir keine deutschen Tollwutimpfstoffe mit der Angabe "Wiederholungsimpfung nach drei Jahren" oder ähnlich haben, ist es noch nicht möglich, ein Haustier in Deutschland für mehrere Jahre gegen Tollwut impfen zu lassen. Somit bleibt vorerst nur die Möglichkeit, das Tier während eines Urlaubs in einem europäischen Land, wo es Mehrjahrestollwutimpfstoffe gibt, nachimpfen zu lassen - diese Impfung muss dann in Deutschland anerkannt werden. (Zur Sicherheit eine Kopie des Beipackzettels mitnehmen! Und den Tierarzt bitten, dass er im Heimtierpaß einträgt, wann die nächste Tollwutimpfung fällig ist.)
(Mehrjahrestollwutimpfstoffe aus anderen Ländern über eine Apotheke importieren zu lassen ist offenbar nicht erlaubt. Daher bleibt vorerst nur die Möglichkeit, dem Tier in einem EU-Nachbarland einen Mehrjahresimpfstoff geben zu lassen.)
Fazit: Durch die Änderung der deutschen Tollwutverordnung vom 20. Dezember 2005 besteht auch hierzulande nicht mehr der Zwang zur jährlichen Tollwutimpfung. Das BMVEL hat mit der Änderung der Tollwutverordnung das deutsche Recht endlich an das EU-Recht angepasst (siehe auch Beitrag "EU paradox" auf dieser Website.)
Tierhalter sollten das nutzen und ihre Hunde, Katzen und Frettchen nicht mehr jährlich gegen Tollwut impfen lassen, solange es auch in Deutschland keine Impfstoffe mit deklariertem mehrjährigem Schutz gibt. Nach Berichten von Tierhaltern haben zumindest einige Hersteller vor, für ihre Produkte eine entsprechende Neuzulassung zu beantragen. Laut Paul-Ehrlich-Institut könnte dies binnen Monaten geschehen. Tierhalter sollten dann nur solche Tollwutimpfstoffe verabreichen lassen, die für mehrere Jahre gelten.
Durch die Änderung der Tollwutverordnung brauchen wir die Petition nicht mehr fortzuführen. Wir danken allen Tierhaltern und Tierhalterinnen, die die Petition unterstützt haben!
Monika Peichl Professor Dr. Leo Peichl
PS: Durch die Änderung der Tollwutverordnung sind nun einige Aussagen auf der Website nicht mehr aktuell. Wir werden die Texte entsprechend überarbeiten. Unser nächstes Ziel sollte es sein, auch die dreijährliche Impfung zu Fall zu bringen: Denn Tollwutimpfungen schützen unsere Tiere länger als drei Jahre. Dazu ist es nötig, dass wissenschaftlichen Daten vorgelegt werden, die die längere Schutzdauer belegen (teilweise gibt es sie natürlich schon), und dass die Hersteller die längere Schutzdauer auch in den Beipackzetteln nennen. In den USA haben Tierhalterinnen und Tierhalter im vergangenen Jahr eine Kampagne begonnen, mit der sie die dreijährliche Tollwutimpfung zu Fall bringen wollen. Vielleicht wird es irgendwann einmal möglich sein, dass gegen Tollwut richtig grundimmunisierte Haustiere gar keine Wiederholungsimpfung mehr bekommen müssen. Es deutet vieles darauf hin, dass der Tollwutschutz viel länger als drei Jahre hält, wahrscheinlich sogar lebenslang.
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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 20. April 2006
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